Würden Sie Ihre anonyme, in einem Forum formulierte Meinung am eigenen Leib tragen? Would you put on your mind?
Millionen anonyme User posten im Internet täglich Kommentare zu verschiedensten Themen und Artikeln. Besonders auf den Internetseiten österreichischer Tageszeitungen wird die Möglichkeit, veröffentlichte Artikel -von der Auslandspolitik über die Chronik, vom Sport bis zu Kunst und Kultur- zu diskutieren, rege genutzt. Die Bandbreite reicht dabei vom präzisen, sachlichen Kommentar bis hin zur derben Zote.
Das Projekt "Put On Your Mind" soll untersuchen in wie weit die Anonymität des Users den Inhalt der Äußerungen beeinflusst bzw. überhaupt erst ermöglicht. Wieviele Kommentare werden erst durch sie motiviert? In wie weit verändert sie Inhalt und/oder Form? Und zuletzt: Würde der User aus der Anonymität heraustreten? Wenn ja, wer, wann, warum und unter welchen Umständen?
Die Arbeit "Put On Your Mind" soll also die Anonymität, die bei vielen Online-Kommentaren gegeben ist, umkehren. Dabei wird folgendermaßen vorgegangen: In der ersten Phase werden Kommentare zu Online-Artikeln österreichischer Tageszeitungen und des " Österreichischen Rundfunk" gesucht und archiviert. Hierbei stellten sich derstandard.at und orf.at als die am besten geeigneten und umfassendsten Plattformen heraus. Einzelne Kommentare werden ausgesucht und auf T-Shirts gedruckt. Im ersten Anlauf sollen so ca. 30 Stück entstehen.
Dann wird der Rückkanal zum User gesucht: Der Autor des gedruckten Kommentars wird über die Plattform kontaktiert und mit einem kurzen Schreiben über die Arbeit informiert. Er wird gefragt ob er das T-Shirt, das sein Posting zeigt, anziehen und sich damit fotografieren lassen würde. Falls er die Teilnahme am Projekt ablehnt, wird in dem Schreiben auch um eine Begründung für die Entscheidung gebeten und um die Erlaubnis, das Posting im Rahmen des Projekts zu verwenden.
Nach der Kontaktaufnahme mit dem User, werden jene die sich bereit erklären sich in den T-Shirts fotografieren zu lassen, im Rahmen eines Fototermins abgelichtet. Es werden Ganzkörperaufnahmen vor dem selben weißen Hintergrund gemacht. Lehnt ein User die Teilnahme am Projekt ab, so wird nur das T-Shirt ohne dessen Träger fotografiert.
Warum wurde gerade das T-Shirt ausgewählt um die Kommentare zu transportieren, wo es doch genügend andere Wege gibt Nachrichten in die Öffentlichkeit zu transportieren, beispielsweise Plaktate, City-Lights, Licht-Zeilen oder Druckwerke?
Der Grund liegt in der Möglichkeit durch Kleidung Ansichten oder Ideologien zu transportieren, die eindeutig mit dem Träger des T-Shirt assoziert werden. Im Gegensatz zur Online-Plattform, wo mittels einer fremden Identität Ideologien transportiert werden können, identifiziert sich der User nun mit der aufgedruckten Aussage, unterstützt sie dadurch und verhilft ihr zu Bekanntheit. Die anonyme Meinung in einem Online-Posting wird über deren Repräsentation auf einem T-Shirt zum öffentlichen Statement, die anonyme Meinung findet ihren Meinungsträger.
Zusätzlich scheint der Aspekt interessant, dass Meinung durch die Mode gleichsam modern werden kann. Der heute bestehende Trend provokante, pointierte, geistreiche Aussprüche auf T-Shirts zu tragen, wird in dieser Arbeit genutzt um anonyme, zunächst unerhebliche oder auch grenzwertige Aussprüche zu Slogans zu machen. Die anonyme Meinung wird Mode.